18 BRIEFE UND EINE FABEL AUS BELARUS von Maryna Mikhalchuk mit Texten aus Camel Travel von Volha Hapeyeva

Kammertheater, Foyer (Stuttgart)
23.04.2022, 20 Uhr, Premiere

Weitere Vorstellungen:
25.04. 2022, 20 Uhr
13.05.2022, 20 Uhr
24.05.2022, 20 Uhr
29.05.2022, 20 Uhr
05.06.2022, 20 Uhr
07.06.2022, 20 Uhr

Der belarussische Präsident Lukaschenko beanspruchte nach der Wahl am 9. August 2020 einen erdrutschartigen Sieg für sich, während die oppositionelle Kandidatin überraschend deutlich unterlag. Die Opposition um Swetlana Tichanowskaja bezeichnete die Vorgänge daraufhin öffentlich als Wahlbetrug, auch zahlreiche unabhängige Wahlbeobachter:innen stuften die Ergebnisse als gefälscht ein. Frauen wie Tichanowskaja, Maria Kalesnikava sowie Aktivist:innen und Unterstützer:innen wurden schnell zu Symbolfiguren der belarussischen Protestbewegung. In Brautkleidern und mit roten Blumen prägten sie die medialen Bilder im Westen, in ihren Reden dagegen unterwanderten sie die klassisch weiblich-passiven Rollenzuschreibungen der Regierung. Zahlreiche Personen, die man den Protesten zuordnete, wurden im Herbst 2020 umgehend außer Landes gezwungen oder inhaftiert.

Mit 18 Briefe und eine Fabel aus Belarus verschneidet Maryna Mikhalchuk dokumentarische Versatzstücke der jüngsten belarussischen Vergangenheit mit dem autobiografischen Roman Camel Travel von Volha Hapeyeva. In ihrem 2021 erschienenen Debüt beschreibt die Autorin das Aufwachsen im (post-)sowjetischen Minsk der späten 1980er und frühen 1990er Jahre. Zwischen Flechtfrisuren, rhythmischer Sportgymnastik und Pelmeni deutet die Autorin aus einer kindlichen Perspektive bereits den Weg in ihre eigene Politisierung an – und gibt Hinweise auf die Generation der Belaruss:innen, die im August 2020 auf die Straße gingen und heute Briefe aus der Haft schicken.

Die russische Invasion in der Ukraine am 24. Februar 2022 und die Ankunft von hunderten Geflüchteten in Stuttgart ließen die Regisseurin zudem inhaltlich neu über den Stoff nachdenken. Ergänzend lud die gebürtige Belarussin Mikhalchuk Geflüchtete aus der Ukraine ein, Teil der Inszenierung zu werden. So werden die Geschichten über Gefangenschaft und demokratischen Widerstand nun von acht ukrainischen Frauen interpretiert – Khrystyna Dovbysh, Tetiana Humeniuk, Iryna Iusukhno, Hanna Krzheminska, Rimma Musiychuk, Iryna Scherbak, Maryna Vlasenko und Tetiana Ziubanova –, wodurch sich der Abend um eine zusätzliche unmittelbar dokumentarische Ebene erweitert.

INSZENIERUNG: Maryna Mikhalchuk
MUSIK: Natasha López, Guillermo González (aus TRIO vis-à-vis)
BÜHNE: Hannah Zickert
LICHT: Stefan Maria Schmidt
KOSTÜME: Natalie Nazemi
DRAMATURGIE: Lena Meyerhoff
SCHAUSPIELERIN: Therese Dörr

MEHR INFORMATIONEN:
Schauspiel Stuttgart
https://www.schauspiel-stuttgart.de/spielplan/a-z/18-briefe-und-eine-fabel-aus-belarus/

PREVIEW:
https://www.youtube.com/watch?v=azMNM6TyI6E&t=2s

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